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ArchPro Carnuntum

Zerstörungsfreie Archäologische Prospektion des Römischen Carnuntum

Ein aktuelles Forschungsprojekt des LBI ArchPro, der ZAMG und der Universität Wien zur zerstörungsfreien Erkundung der archäologischen Landschaft Carnuntum.

Forschungsziel

Das Ziel des Projektes ArchPro Carnuntum ist es durch den systematischen und integrierten Einsatz zerstörungsfreier nicht-invasiver archäologischer Prospektionsmethoden, aufbauend auf den bisherigen Vorarbeiten, im Sinne einer Gesamtprospektion des römischen Carnuntum die Grundlagen für ein nachhaltiges, wissensbasiertes Management der archäologischen Landschaft Carnuntum zu erarbeiten.

Motivation

Das römische Carnuntum - die größte archäologische Landschaft Österreichs - gehört mit zu dem bedeutendsten Kulturerbe Europas. Die bis heute vergleichsweise gute Erhaltung der antiken Bodendenkmäler und die großflächige Ausdehnung von Carnuntum in einer sich dynamisch entwickelnden Region führen immer wieder zu Spannungsfeldern zwischen Denkmalschutz und notwendiger wirtschaftlicher Entwicklung. Sowohl für den Schutz der Kulturgüter, wie auch für die Raum- und Entwicklungsplanung ist die genaue Lokalisierung sowie detailliertes Wissen über die Ausdehnung und den Erhaltungszustand der archäologischen Strukturen von grundlegender Bedeutung.

Das Ausmaß der archäologischen Landschaft Carnuntum macht jedoch die Entwicklung und den systematischen Einsatz noch effizienterer Techniken und Untersuchungsmethoden notwendig, um den Herausforderungen, welche durch die dringend erforderliche Dokumentation des bedrohten archäologischen Erbes gestellt werden, gerecht zu werden. Für den großflächigen Einsatz in der archäologischen Kernzone von Carnuntum (ca. 10 Quadratkilometer) werden in den nächsten drei Jahren effiziente motorisierte Multi-Sensor Systeme eingesetzt, wie sie zur Entdeckung der Galdiatorenschule exemplarisch 2011 zum Einsatz kamen.

Forschungsprogramm

Die systematische Auswertung von Luftbildaufnahmen ist bereits abgeschlossen. Aktuelle remote sensing Verfahren wie flugzeuggetragenes Laser Scanning und Hyperspektral Scannning werden im Rahmen einer Fallstudie des LBI ArchPro in Kooperation mit dem Land NOE durchgeführt, deren Ergebnisse in das Forschungsprojekt einfließen werden. Zur Erkundung des antiken Stadtgebietes werden großflächige geophysikalische Prospektionsmessungen mit modernsten Messsystemen durchgeführt. Mit diesen Systemen ist eine effiziente flächenhafte, rasterförmige Erkundung mit Meßpunktabständen im Dezimeterbereich in kurzer Zeit möglich. Nur diese kleinen Rasterweiten kombiniert mit der höchsten Genauigkeit der Meßgeräte ermöglichen die Erkundung von archäologischen Feinstrukturen im Bereich von 10 – 50 cm.

Zur systematischen archäologischen Prospektion des römischen Stadtgebietes soll im Projektrahmen flächendeckend die magnetische Prospektion (ca. 600 ha) zum Einsatz gebracht werden. Das zentrale römische Stadtgebiet soll zusätzlich durch hochauflösende Bodenradarmessungen erfasst werden (ca. 200 ha).  Das Bodenradar ermöglicht es, die im Boden verborgenen Strukturen durch den Einsatz elektromagnetischer Wellen dreidimensional zu erfassen und detailliert zu untersuchen, um den durch die Luftbildarchäologie und Magnetik geschaffenen Überblick weiter zu verdichten. In ausgewählten Gebieten sollen Ergänzungsmessungen mit elektrischen und elektromagnetischen Methoden vorgenommen werden.

Zu erwartende Ergebnisse

Eine Gesamtprospektion Carnuntums ist sowohl aus wissenschaftlicher Sicht, als auch in raumplanerisch und denkmalpflegerischer Sicht dringend erforderlich und mit einem hohen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen verbunden.

Folgende direkte Ergebnisse sind zu erwarten:

  • Umfassende Bestandsaufnahme der größten archäologischen Landschaft Österreichs als Grundlage für Raumplanung und Bodendenkmalpflege
  • Integration des archäologischen Erbes Carnuntum in das NÖ Geoinformationssystem
  • Planungsgrundlagen für nachhaltiges Kulturerbe-Management und Öffentlichkeitsarbeit
  • Vollständiger Stadtplan des römischen Carnuntum als Grundlage für virtuelle Rekonstruktionen und zukünftige Forschung
  • International einzigartiges Prospektionsprojekt mit Vorbildcharakter

Das Forschungsprojekt wird für den Schutz und die wissenschaftliche Erforschung als auch für die wirtschaftliche Nutzung der größten archäologischen Zone Österreichs richtungsweisende Impulse geben und die verschiedenen Anstrengungen und Herausforderungen der Zukunft an ein zeitgemäßes und nachhaltiges Management des einzigartigen Kulturerbes Carnuntum auf klare Zielsetzungen fokussieren.

Weitere Informationen
Wolfgang [dot] Neubaueratarchpro [dot] lbg [dot] ac [dot] at   
mobil: 0664 6027740304

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