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Auf den Spuren des heiligen Wolfgang

Ludwig Boltzmann Institute erforschen den Falkenstein bei St. Gilgen am Wallfahrtsweg nach St. Wolfgang. Eine ungemeine Bandbreite an archäologischen Funden erzählen Geschichten über das tägliche Leben und Leid der Eremiten und Pilger.

Mit Bodenradarmessungen und 3D Laserscans ist es den Forschern des Ludwig Boltzmann Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie gelungen, die Fundamente einer längst vergessenen Klause unterhalb der Wallfahrtskirche am Falkenstein/St. Gilgen am Wolfgangsee (Salzburg) wieder zu entdecken und die Salzburger Landesgeschichte um eine längst vergessene aber bedeutende Facette des christlichen Alltagslebens zu bereichern. In Zusammenarbeit mit der Universität Wien und dem Heimatmuseum St. Gilgen wurden die Überreste der Klause von den Archäologen Schicht um Schicht wieder freigelegt und mit modernster Lasertechnik in der virtuellen Welt dreidimensional sichtbar und erfahrbar gemacht.

Im Jahre 2009 entdeckten Forscher des LBI ArchPro mit modernsten hochauflösenden Bodenradarsystemen auf der Lichtung unterhalb der Kirche auf dem Falkenstein die im Boden verborgenen Fundamente einer Klause. Der Legende nach weilte bereits der Heilige Wolfgang selbst als Eremit im 10. Jahrhundert an diesem zurückgezogenen Ort, der ab dem 14. Jahrhundert am Weg zur viert größten Wallfahrtsstätte Europas gelegen, jährlich von Tausenden Pilgern besucht wurde. Im 17. Jahrhundert wurde die Klause als einfache Holzhütte für Einsiedler zur Betreuung des Falkensteins und der vorbeiziehenden Pilger errichtet und über 150 Jahre bewohnt.

Eine detaillierte Analyse schriftlicher und bildlicher Quellen durch Historiker sowie zeitgenössischer lateinischer Texte durch das Ludwig Boltzmann Institut für Neulateinische Studien offenbarten historische Hintergründe der Legenden um das Wirken des Heiligen Wolfgang. Diese bildeten in Kombination mit den Radardaten und dem durch Laserscanning gewonnenen digitalen Geländemodell die Basis für das Forschungsprojekt und nun fertiggestellte virtuelle Rekonstruktion der Klause und ihrer Umgebung.

Hausrat, Speisereste, Münzen und Devotionalien („Wolfgangihackerl“) gestatten Einblicke in das tägliche Leben der Eremiten und Pilger. Überraschend war für die Archäologen dabei die ungemeine Bandbreite, Qualität und Üppigkeit an persönlichen Gegenständen der Einsiedler (z.B. Tabakpfeifen, Maultrommeln, Knochenflöte, Knöpfe, Gürtelschnallen und eine Taschensonnenuhr), die aufgrund der historischen Überlieferung weit einfacher gelebt haben sollen, als es der archäologische Befund ans Tageslicht brachte. Sensationell war die Entdeckung von zwei Kellerräumen unter der Klause. Diente der eine Gewölbekeller als Vorratsraum, hatte der zweite Keller eine einzigartige Funktion: dort mündete eine hölzerne Leitung aus der Wasser in die sogenannten „Wolfgangiflascherl“ abgefüllt wurde; zahlreiche Scherbenfunde zeugen von der Beliebtheit dieses Andenken unter den Wallfahrern. Gespeist wird sie wohl aus der ursprünglichen Quelle am Falkenstein, die der Legende nach vom Heiligen Wolfgang mit seinem Stab für seinen dürstenden Mitbruder aus dem Felsen geschlagen wurde.

Vor dem Gebäude wurde eine tiefe Grube gefunden, die den Einsiedlern als Latrine diente. An der Sohle der Toilettengrube konnte zur Überraschung der Forscher eine große Menge Quecksilber geborgen werden. Nach Einschätzung von Experten des LBI für Lungengefäßforschung belegt dieser Fund eindrucksvoll die Medikation der damaligen Volksseuche Syphilis. Diese wurde damals primär durch die orale Einnahme von Quecksilber behandelt, welches in fast unveränderter Form vom Körper wieder ausgeschieden wird.

Die Bodenradarmessungen deuten auf Grundrisse weiterer Gebäude hin, bei denen es sich möglicherweise um einfache Unterkünfte für Pilger handeln dürfte. Die Forschungen am Falkenstein werden fortgesetzt mit dem Ziel die Situation am  Falkenstein durch einen wissenschaftlich fundierten Wiederaufbau der Klause erfahrbar zu machen.

Die Forschungsarbeiten wurden unterstützt von Gemeinde St. Gilgen, Heimatmuseum St. Gilgen, Bundesforste, Pfarrgemeinde St. Gilgen, Gasthof Fürberg, Maria Schram, St. Gilgen.

Kontakt

Prof. Dr. Wolfgang Neubauer (Direktor LBI ArchPro) Tel: +43 664 6027740304, wolfgang [dot] neubaueratarchpro [dot] lbg [dot] ac [dot] at

Mag. Christina Einwögerer (Öffentlichkeitsarbeit LBI ArchPro) Tel: +43 699 15206513, christina [dot] einwoegereratarchpro [dot] lbg [dot] ac [dot] at

Link zur digitalen Pressemappe: https://www.dropbox.com/sh/chot8404ej0pcux/AABzyZRDBOWZC0YTDYQlKBUKa

Report on the press conference (by Interspot Film): http://clips.interspot.at/?id=xc%2FluPaLh3M%3D